Geburtserfahrung aus dem März 2021

 

Nachdem die Geburt meiner ersten Tochter sehr sehr lange gedauert hat und am Ende mit Wehentropf und Dammschnitt auf die Welt kam, habe ich schon vor der Schwangerschaft meiner zweiten Tochter viele Berichte über Hausgeburten gelesen.

Im Gespräch mit Nicole konnte mein Mann auch von einer Hausgeburt überzeugt werden. Im Freundes- und Bekanntenkreis war eigentlich fast jeder überrascht und viele äußerten auch ihre Ängste. Ich habe mich dadurch überhaupt nicht beeinflussen lassen. Die ganze Schwangerschaft fühlte ich mich sicher mit einer Hausgeburt.

Eine Woche vor Geburtstermin hatte ich über den Tag verteilt leichte Wehen. Gegen Abend wurden die Wehen stärker, da die erste Geburt jedoch so lange gedauert hat schickte ich meinen Mann ins Bett.  Ich habe jede Wehe gut veratmet und hatte die Entspannungstechnik (die friedliche Geburt von Kristin Graf) auf den Ohren. Um 02:50 Uhr konnte ich die Wehen plötzlich kaum mehr aushalten und rief deshalb Nicole an. Sie meinte ich soll in die Badewanne gehen, vielleicht wird es wieder erträglicher. Ich weckte meinen Mann und ging in die Badewanne. Richtig reinlegen konnte ich mich nicht, da ich bereits pressen musste. Um 03:15 Uhr rief mein Mann Nicole an. Währenddessen ist auch die Fruchtblase geplatzt . Ich war in der Position des Vierfüßlerstandes und merkte, dass der Kopf bereits im Becken ist. Der Kopf war da und im Anschluss kam Nicole. Eine Minute später um 03:40 Uhr wurde meine Tochter in gemütlicher Atmosphäre bei Kerzenschein geboren. Meine große Tochter hat die Geburt verschlafen, kam jedoch eine Stunde später dazu und wir kuschelten zu viert auf dem Sofa.

Ich habe mich die ganze Geburt über sicher gefühlt und kann jedem eine Hausgeburt ans Herzen legen. 

 

Ganz liebe Grüße, Melissa mit Familie

 


Hausgeburt Rosanna, Oktober 2020

 

Die Gründe warum ich mich für eine Hausgeburt entschieden habe sind schnell erzählt: die Geburt meines ersten Kindes im Krankenhaus war nicht so wie ich sie mir vorgestellt habe. Genauer gesagt war sie sehr traumatisch und hat tiefe Wunden in mir hinterlassen. Ich hatte zwar eine Spontangeburt, nur war diese alles andere als schön. Ich habe mich oft allein gelassen gefühlt, war nicht bei mir selbst und konnte nicht loslassen. Außerdem habe ich sehr viel Kraft damit verschwenden müssen, mich gegen eine PDA zu wehren. Am Ende hatte ich deshalb fast keine Kraft mehr und bin gerade noch so der Saugglocke entkommen. Während dieser letzten Minuten, bevor endlich der erste Schrei unserer Tochter erklang, hatte ich furchtbare Angst. Ich fühlte mich schwach, wie eine Versagerin, fühlte mich nicht sicher und hatte große Angst um unsere Tochter. Zum Glück ging alles gut aus, die negativen Gefühle die sich während der Geburt entwickelt hatten blieben aber und begleiteten mich noch sehr lange.

 

Als ich dann 2,5 Jahre nach dieser Erfahrung den nächsten positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt war da erst mal nicht viel von großem Glück zu spüren. Schwangerschaft, zweites Baby, alles wunderschön, aber das Kind musste da ja auch irgendwie raus und das bereitete mir wirklich große Angst. Der Gedanke an eine Hausgeburt kam mir nicht sofort, meine Hebamme die ich schon bei meinem ersten Kind hatte war zwar wirklich eine von der guten Sorte, leider machte sie keine Hausgeburten mehr und somit war diese Option für mich schon von vorne rein ausgeschlossen. Ich war mir sicher ich könnte niemals jemandem so sehr vertrauen wie ihr und deshalb blieb mir ja nur das Krankenhaus. Im Laufe der Wochen wurde mir klar, dass es Schwachsinn wäre für die Geburt unseres zweiten Kindes an einen Ort zurück zu kehren, an dem ich so viel Angst verspürt hatte, ein Ort der alles andere als ein sicherer Ort für mich war. Und was gibt es wichtigeres bei einer Geburt als sich sicher und geborgen zu fühlen?

 Zum Glück hat mir meine Hebamme dann Nicole empfohlen und diese Empfehlung hat sich im Nachhinein dann für die wichtigste und beste Empfehlung unseres Lebens rausgestellt :)

 

Wir lernten Nicole kennen und gemeinsam mit ihr konnte ich endlich anfangen mein Geburtstrauma aufzuarbeiten. Die Vorsorgetermine waren immer sehr schön und steigerten unsere Vorfreude auf die Geburt, die Ängste dagegen wurden immer kleiner. Mein Mann und ich hatten zwar auch Mal den ein oder anderen Moment an dem wir an der Hausgeburt zweifelte, vor allem weil wir im Umfeld niemanden persönlich kannte der eine Hausgeburt hatte, aber Nicole konnte wirklich all unsere Zweifel beseitigen. Vor allem als mein Frauenarzt mich unter Druck setzte und bei ET+7 in die Klinik zum Einleiten einweisen wollte, fand Nicole genau die richtigen Worte um mich wieder zu ermutigen und ich war wieder bei mir. Mir wurde immer mehr klar: das ist meine Geburt! Und die wollte ich so selbstbestimmt wie möglich erleben. (Spoileralarm: das tat ich dann auch :) )

 

An ET+10 war es dann so weit, ich wurde um ca. 3:30 Uhr von ersten Wehen geweckt. Da ich diese aber schon mal in der Nacht davor hatte, machte ich nochmal die Augen zu. Um 4:30 Uhr wurde ich wieder von den Wehen geweckt. Diesmal waren sie deutlich schmerzhafter und intensiver, an Schlaf war nicht mehr zu denken. In dem Moment bekam ich eine SMS von Nicole, sie war gerade bei einer anderen Geburt und hatte dort schlechten Handyempfang, man solle sich übers Festnetz melden wenn was ist. Ich beschloss noch abzuwarten ob die Wehen nicht doch wieder weggehen und drehte meine Runden durchs Wohnzimmer, die Wehen kamen alle 8 Minuten. Um 6 Uhr beschloss ich Nicole Bescheid zu sagen, wie der Zufall es wollte war das Baby bei der anderen Geburt gerade geboren und sie konnte sich gleich auf den Weg machen. Um kurz vor 7 kam Nicole dann zusammen mit einer Hebammenschülerin. In dem Moment wurde auch unsere 3,5 Jährige Tochter wach und tapste verschlafen die Treppe hinunter, sie freute sich sehr Nicole zu sehen. Sie hatte sie schon während der Vorsorgetermine kennen lernen dürfen und schnell in ihr Herz geschlossen. Während mein Mann Frühstück machte, schaute Nicole nach den Herztönen des Babys. Unsere Tochter schaute gespannt zu und lachte über die „Pferdegeräusche“ die das Ultraschallgerät machte. „Dein Geschwisterchen kommt heute zu euch!“ sagte Nicole zu unserer Tochter und die erwiderte ganz lässig „Cool!“.

 

Ich startete noch den Versuch 1-2 Bissen von meinem Marmeladenbrötchen zu essen um Kraft zu tanken, allerdings bekam ich nicht mehr wirklich was runter. Die Wehen wurden immer intensiver und stärker, ich beschloss noch kurz in den Garten zu gehen um noch ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen bevor es später zu heiß dafür wäre. Ich streckte mein Gesicht in die Sonne und veratmete eine Wehe, das war ein sehr schöner Moment für mich, denn ich fühlte mich sehr wohl damit zu Hause zu sein, in meinem Garten in der Sonne stehen zu können, statt gerade auf dem Weg ins Krankenhaus zu sein. Nach einer Weile ging ich wieder rein, die Wehen wurden stärker und ich suchte Halt bei meinem Mann beim veratmen. Irgendwann verzog ich mich ins Schlafzimmer, wieder war ich so froh hier zu sein, den Luxus zu haben mich in MEIN Bett verziehen zu können. Nicole schaute nach mir und fragte mich, ob wir nicht mal langsam Wasser in den Gebutspool machen sollten. Ich stimmte zu und sie untersuchte mich im Bett. Der MuMu war gerade mal bei 4cm zu diesem Zeitpunkt (es muss ca 10 Uhr gewesen sein) und das frustrierte mich in dem Moment sehr. Ich war schon Tage davor bei 3cm und dachte deshalb, ich hätte es diesmal leichter in der Eröffnungsphase. Mir kamen die Tränen und ich weinte, ich hatte Angst wieder so eine lange Geburt wie beim ersten Mal durchmachen zu müssen und später keine Kraft mehr zu haben. Aber Nicole stand mir bei und fand genau die richtigen Worte um mich aufzumuntern. Als ich mich beruhigt hatte, gingen wir zusammen runter und ich stieg in den Geburtspool.

 

Das Wasser tat sehr gut, die Wehen wurden zwar durch die Wärme nochmal schmerzintensiver, aber ich konnte sie viel besser hinnehmen, da ich mich im Wasser ganz anders bewegen konnte, als außerhalb des Wassers. Unsere Tochter saß eine Weile neben mir am Pool, gab mir zu trinken und streichelte mir den Kopf. Zwischendurch spielte sie wieder seelenruhig mit der Hebammenschülerin, egal wie laut ich die Wehen veratmete, aber immer wieder kam sie zu mir um nach mir zu sehen oder mich zu motivieren. „Toll Mama! Du schaffst das!“ sagte sie einmal und das gab mir in dem Moment so unheimlich viel Kraft. Ich wusste es war die richtige Entscheidung gewesen sie bei der Geburt dabei zu haben.

 

In den Wehenpausen entspannte ich so gut es ging und genoss das Wasser. Während den Wehen war es aber sehr wichtig für mich, dass immer jemand bei mir war um gemeinsam die Wehen zu veratmen. Ich brauchte viel Halt und gemeinsames Atmen, aber das bekam ich auch. Es war immer jemand an meiner Seite, ob mein Mann oder die Hebammen, ich glaube ich habe mich noch nie so gut umsorgt gefühlt wie an diesem Tag. Vor allem aber war der Unterschied zu meiner ersten Geburt wieder so klar zu erkennen. All das was mir bei meiner ersten Geburt so schwer fiel, ging plötzlich viel einfacher. Zwar fluchte ich auch viel vor Schmerzen, biss in den Poolrand oder zerdrückte meinem Mann die Hand, aber es ging mir gut. Ich fühlte mich geborgen und sehr sicher. Plötzlich spürte ich einen starken Druck, es tat sehr weh und ich merkte, dass sich etwas verändert hatte. Nicole bestätigte mir dies bei einer Untersuchung, der Muttermund war mittlerweile vollständig geöffnet. Statt aber weiter in meiner Geburtspoolblase rumzudümpeln, bat sie mich aus dem Pool zu steigen und die Treppen zu steigen, mich zu bewegen. Unser Baby hatte sich noch nicht richtig ins Becken eingedreht und deshalb sollte ich mich bewegen. Ich stieg also die Treppen auf und ab, machte auf Nicoles Anweisung Hampelmänner, riss die Beine hoch im Storchengang und fluchte unglaublich viel, denn ich hatte unglaublich große Schmerzen und das allerletzte was ich wollte waren Hampelmänner zu machen. Ich glaube Nicole hat sich in dem Moment einiges von mir anhören müssen :D Irgendwann in der Zwischenzeit kam die dritte Hebamme dazu, auch sie ermutigte mich all die Wut die ich gerade empfand in die Bewegung zu stecken, und das machte ich dann auch.

 

Die Maßnahmen schienen zu wirken, denn kurze Zeit später hatte ich einen starken Drang zu pressen. Ich durfte also wieder in den Pool, es war mittlerweile ca 11:30 Uhr. Während der ersten Presswehen stand unsere Tochter noch dabei und schaute zu, irgendwann wurde ihr das ganze doch ein bisschen unheimlich und sie verzog sich zur Hebammenschülerin aufs Sofa und schaute zusammen mit ihr von da zu. Obwohl ich mit aller Kraft presste, äußerten Nicole und ihre Kollegin langsam Bedenken was die finale Geburtsposition anging. Die Herztöne unseres Babys waren nicht so gut und erholten sich auch nicht mehr. Es sollte nun schnell gehen und ich fand keinen richtigen Halt mehr im Pool. Bei der ersten Geburt im Krankenhaus gab es übrigens eine sehr ähnliche Situation am Ende, mit dem Unterschied dass ich damals in Panik verfiel und mich unglaublich schlecht fühlte und Angst hatte. Obwohl diese Situation mir so ein Deja Vu bescherte, hatte ich diesmal keine Angst. Ich wusste ich schaffe das. Also bat Nicole mich aus dem Pool zu steigen und meinen Mann auf einen Sessel, er sollte mich von hinten halten und ich mich an ihn hängen. Als ich aus dem Pool stieg war das so ziemlich der schmerzhafteste Moment unter der gesamten Geburt, der Kopf war schon fast ganz geboren und ich hatte wirklich Schwierigkeiten raus zu kommen. Aber auch hier motivierten mich Nicole und ihre Kollegin wieder, also schaffte ich auch diese vorletzte Hürde. Und so hing ich mich an meinen Mann und es kam eine letzte Presswehe. Ich gab nochmal alles und plötzlich war er da, um 11:48 Uhr, unser wunderschöner Sohn.

 

 Mit Unterstützung lief ich zittrig die paar Schritte vom Sessel zum Sofa und dort ließen wir die Nabelschnur noch auspulsieren. In der Zwischenzeit legte ich unseren Sohn das erste Mal an. Dann trennte mein Mann die Nabelschnur durch und nahm unseren Sohn an sich zum Bonding. Ich gebar noch die Plazenta, die zu dem entzücken von Nicole wohl wie ein großes, schönes Herz aussah. Dann versorgte Nicole meine Geburtsverletzungen. Das Nähen war nochmal ziemlich fies und Nicole musste sich nochmal einiges an Flüchen anhören, aber daran hatte sie sich wohl mittlerweile schon gewöhnt mit mir. Danach machte sie es mir gemütlich, ich nahm unseren Sohn wieder zu mir und auch mein Mann und unsere Tochter kamen zu mir. Wir kuschelten zum aller ersten Mal zu viert miteinander. Es war wunderschön. In der Zwischenzeit machten Nicole und ihre Kolleginnen alles sauber, nach kurzer Zeit sah man schon nichts mehr von einer Hausgeburt. Es erfolgte noch die U1 und auch ich wurde nochmal durchgecheckt. Als sicher war dass es uns allen gut geht, verließen Nicole und ihre Kolleginnen uns und wir starteten ins Wochenbett.

 

Ein paar Monate nach der Geburt hatten wir unser Abschlussgespräch mit Nicole und ich kann es seitdem nur immer wieder (jedem der es hören will oder nicht) sagen:

Diese Hausgeburt war die beste Entscheidung unseres Lebens. Genauso wie unsere Tochter an diesem Ereignis teil haben zu lassen. Nicole hat uns das ganze ermöglicht und dafür werd ich ihr für immer dankbar sein. Sie ist eine ganz bemerkenswerte Hebamme und hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Danke Nicole! Und natürlich auch deinen Kolleginnen. Ihr seid wirklich der Wahnsinn :)

 

 


Geburtsbericht Christian (Ingenieur) & Lisa (Rechtsanwältin)

mit Louisa 26.06.20

 

Ich habe eine Hausgeburt immer abgelehnt und habe Leute, die eine solche Geburt planten oder hatten, für verrückt und unverantwortlich gehalten. Ich habe meine Meinung geändert: Es ist das Beste, was mir passieren konnte!

 

Eine Hebamme zu finden war nicht leicht - noch dazu eine, die meine “Sperenzchen” mitmachte. 

 

Zunächst war nicht klar, wo ich mein Kind bekommen will. Das “wo” bezog sich nicht auf zu Hause oder im Krankenhaus, sondern vielmehr auf den Ort. Zur Wahl standen unsere Heimat oder unser Zweitwohnsitz in Bayern. Ich habe sämtliche Hebammen in unserer Gegend angerufen. Fehlanzeige - alle ausgebucht.  Da meine Mutter Nicole kannte, hat sie den Kontakt hergestellt. 

 

Obwohl wir uns noch nicht persönlich kannten, hat Nicole mich beim Arztwechsel unterstützt. Wir waren unzufrieden, da unsere damalige Ärztin uns nicht richtig über den Harmony Test aufgeklärt hatte. Die Ärztin erklärte uns, dass der Bluttest reichen würde und eine Nackenfaltenmessung somit nicht mehr nötig sei. Dies führte dazu, dass wir kurz nach Weihnachten nach München fuhren, um gerade noch rechtzeitig die Messung durchführen lassen konnten. 

 

Ich habe nach dem Arztwechsel die komplette Schwangerschaftsvorsorge, bis auf die Ultraschalluntersuchungen, bei Nicole machen lassen.  Da ich den Zuckertest beim Arzt, wegen der zu trinkenden Zuckerflüssigkeit nicht machen wollte, hatte Nicole auch hier eine Idee. Mit einem Zuckermessgerät habe ich über mehrere Tage meinen Insulinspiegel getestet und Nicole hat die Ergebnisse anschließend ausgewertet. 

 

Wie oben schon erwähnt habe ich eine Hausgeburt kategorisch abgelehnt, da ich große Angst um mein Kind hatte - was passiert, wenn es Komplikationen gibt? Aus diesem Grund sollte eine Kinderklinik an die Entbindungsklinik angeschlossen sein. Wir sind den Weg sogar vorher abgefahren. 

 

Vereinbart war mit Nicole die Wehenbegleitung zu Hause mit anschließender Verlegung in die Klinik wenn’s richtig los geht.  Ich wünschte mir die Wehenbegleitung zu Hause, da mir der Betreuungsschlüssel im Krankenhaus, den ich aus einigen Berichten kannte, zu gering war. Mir war klar, dass ich eine intensive 1:1 Betreuung benötigen würde. Ich kann schlecht die Kontrolle abgeben, bin berufsbedingt sehr gut organisiert und stets gut vorbereitet.

 

Wasser ist mein Element, daher wollte ich unbedingt eine Wassergeburt. Vorweggenommen:  Ich habe sie bekommen! 

 

Als ich 1,5 Wochen vor dem errechneten Termin um ca. 6 Uhr morgens Wehen hatte, riefen wir Nicole an. Sie kam kurz darauf und ich wurde untersucht. Es waren Geburtswehen. 

 

Mir ging es gut und wir frühstückten. 

Gegen 8 Uhr habe ich noch ein wenig gearbeitet und sogar noch einen Einspruch gegen eine Steuererklärung gegenüber dem Finanzamt eingelegt. Die Wehen waren gut auszuhalten. Nicole ist zwischendurch dann nochmal kurz nach Hause gefahren. 

 

Gegen 10 Uhr kam Nicole wieder. Wir haben uns über Gott und die Welt unterhalten und haben mit der Eismaschine Schokoladeneis gemacht. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Die Wehen waren mal stärker und mal schwächer. 

 

Gegen 12 Uhr bin ich in den aufblasbaren Pool im Badezimmer gestiegen da die Wehen stärker wurden. Als ich dann im Pool war - Stillstand. Keine Wehen mehr. 

Nicole schickte meinen Mann Salz für den Pool kaufen. 

 

Ich planschte im Pool und die Wehen kamen zurück. Bis zu diesem Zeitpunkt war alles gut auszuhalten, ich hatte mir das schlimmer vorgestellt. 

 

Kurz danach hatte ich das Gefühl, das Baby schiebt mit. 

Gegen 14:15 Uhr kam Doris, die zweite Hebamme. Die Wehen wurden schlimmer und ich hatte das Gefühl, nicht mehr zu können. 

Doris nahm mich auf den Schoß. Danach bin ich im Storchen Gang gelaufen und sagte immer zu: „Ich will, ich kann!”  Nicole und Doris haben mich stets motiviert. 

Da ich sehr müde war, aber gleichzeitig auch das Gefühl eines starken Krampfes im Gesäß hatte, haben Nicole und Doris diesen Krampf abwechselnd massiert und getriggert. Wir haben alle gemeinsam geatmet. 

 

Zwischendurch war ich immer mal wieder im Pool. Um 20:22 Uhr ist meine Fruchtblase auf dem Bett geplatzt. Wieder im Pool hatte ich starke Wehen. Als Nicole mich aufforderte, zu fühlen und ich den Kopf mit den Haaren meines Babys gefühlt habe, hatte ich wieder Kraft. Ich wusste, bald ist es geschafft. 

 

Nach weiterem „Schieben” war Sie dann um 20:52 Uhr da. Im Wasser, wie ich es mir gewünscht hatte!  Ein Mädchen! Wir wussten es vorher nicht - Unser Überraschungsbaby. 

Ich habe sie dann im Wasser in den Arm genommen und wir waren noch ein bisschen im Pool. Als die Nachgeburt durch war, habe ich geduscht. 

 

Gegen 22 Uhr hat mein Mann im Bett die Nabelschnur durchgeschnitten. Danach hat Louisa gleich an meiner Brust getrunken. 

Nicole hat meine kleinen Geburtsverletzungen genäht und die U1 bei Louisa durchgeführt. 

Um 23:45 Uhr ist Nicole nach Hause gefahren. Wir hatten es geschafft.  Wir haben dann noch Eis und Nudeln mit Pesto im Bett gegessen.

 

An den Folgetagen ist Nicole dann zwei Mal täglich gekommen, um nach uns zu sehen. Sie hat mir beim Stillen Lernen geholfen und unsere Fragen geduldig beantwortet. 

 

Die Zeitangaben habe ich aus der schriftlichen Geburtsdokumentation entnommen. Ich / Wir haben sämtliches Zeitgefühl an diesem Tag verloren. 

Irgendwann während der Geburt habe ich entschieden zu Hause zu bleiben, denn mit einem Babykopf zwischen den Beinen kann ich doch nicht mehr ins Krankenhaus fahren Da war das ganze Baby noch drin und ich hatte keinen Blasensprung - es hat sich nur so angefühlt.

 

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich im Krankenhaus keine solche Betreuung bekommen hätte. Wir wären durch drei Schichtwechsel gegangen und nachdem meine Motivation zwischenzeitlich gesunken war und ich nicht mehr konnte, wäre es zu einem Kaiserschnitt gekommen. 

 

So sind wir abends in unserem Bett eingeschlafen. Louisa hat die ersten Nächte auf der Brust meines Mannes geschlafen. Zwei Wochen nach der Geburt konnte ich dank guter Pflege schon die Straße auf und ab gehen. 

 

 


 

 

Worte von Nicole am Ende des Jahres 2020

 

Ich durfte unter dem Segen des Herrn wunderbare 49 Kinder hier auf dieser Erde und Zuhause bei Ihrer Familie willkommen heißen. Zusätzlich bei 35 Geburten als dienende Hand zur Seite stehen. 

Herzlichen Dank für Euer Vertrauen und die Begegnungen mit Euch.

Ich freue mich auf viele bereichernde Erlebnisse in 2021.

 

 


 

 

Geburtsbericht – Jolie 16.10.2020

 

Errechnete Geburtstermin: 05.10.2020. 

 

Einige Tage vor der Geburt hatte ich regelmäßige Wehen, oft auch in recht kurzen Abständen von etwa 3 Minuten. Diese  waren aber komplett schmerzfrei.  

 

13.10.2020: Ich hatte am Morgen, zum ersten Mal in der Schwangerschaft Kreislaufprobleme. Zudem war ich in letzter Zeit etwas schlecht gelaunt. Am späten Abend, desselben Tages ist mir der Schleimtropf abgegangen. Genau ab dem Zeitpunkt fingen an die Wehen etwas schmerzhaft zu werden, aber noch nicht der Rede wert. Nachts konnte ich mit Unterbrechungen  schlafen.  

 

14.10.2020: Mein Mann ist sicherheitshalber an dem Tag bereits zuhause geblieben und hat unsere große Tochter zur  Schule gebracht, da ich die Wehen, die etwa alle 10 Minuten kamen, bereits veratmen musste. Die Wehen selber dauerten jeweils etwa eine Minute. Zu Abend hin wurden die Wehen intensiver, aber immer noch gut aushaltbar und gut zu veratmen. Die gesamte Zeit über hielt ich Kontakt zu meiner lieben Hebamme Nicole, die mich unterstützte und Sicherheit gab. „Geburt  ist Ruhe und Bewegung im Wechsel..“. Schlafen konnte ich in dieser Nacht aber nicht mehr, da die Abstände zwischen den  Wehen zunehmend kürzer wurden.  

 

15.10.2020: Gegen 03:00 Uhr nachts bin ich ins Wohnzimmer gegangen. Ich habe mir einen Bachblüten Tee (Ruhe &  Gelassenheit) gemacht, die Geburtskerze angezündet, Entspannungsmusik angemacht, meine Heilsteine für die Geburt  genommen (Amazonit & Malachit), den Diffusor mit ätherischem Rosenduft angemacht und die Affirmationen am  Geburtsalter nochmal verinnerlicht. Die Wehenabstände lagen bei 5-7 Minuten und ich spürte diese nun auch im unteren  Rückenbereich. Gegen 05:00 Uhr ist mein Mann dazu gekommen und wir haben bei gedämmten warmen Lichtschein  zusammen die nächsten Stunden verbracht. Mittlerweile konnte ich auch meinen Muttermund tasten, zwar noch weit entfernt,  aber ich kam ran. Gegen Mittag wurden die Abstände zwischen den Wehen für etwa eine Stunde etwas länger (10 Minuten),  so habe ich die Gelegenheit genutzt und ungefähr fünf „10-Minuten-Nickerchen“ gemacht. Es war zwar nicht lang, aber  dennoch kraftspendend.  

Gegen Mittag kam meine Hebamme Nicole vorbei, um die Herztöne abzuhören und nach mir zu schauen. Es war alles ok und  der Geburtsprozess noch nicht in der Endphase, so konnte Nicole erstmal weiterfahren.  

 

Gegen 17:00 Uhr haben sich die Wehen verändert, sie wurden noch intensiver, mit mehr Druck und nur noch schwer zu  veratmen. Die Abstände zwischen den Wehen lagen bei 3-5 Minuten. Draußen wurde es langsam dunkel. Mein Mann und  unsere 6 Jahre alte Tochter waren immer in meiner Nähe. Ich schwang in unserer Swing Yoga Hängematte hin und her,  

während mein Mann und meine Tochter mir die Hand hielten, mich umarmten, küssten und mit mir kuschelten. Auch meine  Mama kam für eine halbe Stunde vorbei und konnte kurzzeitig in unsere emotionale „Wunderwelt“ eintauchen. Mit jeder vergangenen Stunde wurden die Wehen intensiver. Essen konnte ich den ganzen Tag nichts, nur ein Glas  Orangensaft und den Tee am frühen Morgen hatte ich getrunken. Dennoch war ich gut bei Kräften, nur durch den  Schlafmangel etwas müde. Ich probierte warme Kirschkernkissen aus, es hat etwas vom Schmerzempfinden abgelenkt. Am  Kreuzbein und am Unterbauch habe ich Geburtsöl einmassiert, dies alles tat kurzzeitig ganz gut.  Etwa um 20:00 Uhr telefonierte ich mit Nicole und sie hat mir geraten in die Badewanne zu gehen. Dies tat ich und es hat mir  richtig gut getan, die Wehen wurden gleich angenehmer und erträglicher. Abwechselnd haben mein Mann und unsere  Tochter warmes Wasser aus einem Krug über mich fließen lassen. Nach etwa zwei Stunden bin ich raus aus der Wanne.  Unsere Tochter ist da bereits im Familienbett eingeschlafen.  

Bald darauf kam auch schon Nicole. Ich musste mich bei jeder Wehe, die nun alle 2-3 Minuten kamen, an meinem Mann (bzw.  seinem Bart ☺ ) festhalten. Es spielte immer noch unsere Entspannungsmusik und bei gedämmten Licht veratmeten wir  gemeinsam jede Wehe. Meine Augen waren die meiste Zeit geschlossen und ich nahm mein Umfeld nur teilweise war. Intuitiv  tropfte ich Geburtsöl auf meine Handflächen und roch daran.  

Zwischendurch schaute Nicole nach den Herztönen und untersuchte mich auf meinen Wunsch hin. Der Muttermund war  gegen 23:00 Uhr bei 4cm. Die Wehen wurden sehr intensiv, so dass ich sie kaum noch veratmen konnte. Nicole meinte, dass  das Atmen irgendwann nicht ausreicht und ich es mit Tönen versuchen soll. Dies taten wir ab da gemeinsam mit meinem  Mann und das hat auch gut geholfen. Etwa eine halbe Stunde später ist mir beim Beckenkreisen auch schon die Fruchtblase  geplatzt. 

 

16.10.2020: Nach nochmals ca. 30 Minuten, kurz nach Mitternacht verspürte ich einen Pressdrang. Der Muttermund war  da bei 9cm, hat sich also innerhalb einer Stunde um 5cm vergrößert. Sobald eine Presswehe kam musste ich unterschwellieg  mitschieben, ich konnte gar nicht anders, es war überirdisch. Wieder eine halbe Stunde später erblickte unser kleines Wunder  das Licht der Welt.  

Die Nabelschnur hat bereits nach 10 Minuten auspulsiert. Nach weiteren 30 Minuten konnte die Plazenta geboren werden und der stolze Papa durfte abnabeln. Mittlerweile war auch schon die zweite Hebamme Maria angekommen, die extra für  mich eine Obstplatte zur Stärkung vorbereitete und mich mit einem leckeren Tee verwöhnte. Was für eine nette Geste.  Danach konnte ich noch in Ruhe duschen und der Papa durfte solange kuscheln. Zum Schluss machte Nicole noch die U1.  Gegen 03:00 Uhr nachts verabschiedeten wir uns von unseren lieben Hebammen und huschten überglücklich ins  Familienbett, wo die große Schwester ihre sehnlichst erwartete kleine Schwester begrüßte. Friedlich und voller Dankbarkeit  schliefen wir ein.

 

 


 

 

Erfahrungsbericht Tanja, Zweites Kind

 

Eigentlich wollten wir nie eine Hausgeburt...Mein Mann und ich sind eher konservativ eingestellt- ein Baby kommt im Krankenhaus zur Welt. Ich war auf der Suche nach einer Wochenbettbetreuung für die Zeit nach der Geburt meines zweiten Kindes. Bei meiner Google-Recherche fand ich Nicoles Homepage und rief sie an. Bei unserem ersten Treffen in ihrer Praxis bot sie mir an auch die Schwangerenvorsorge zu übernehmen um uns ein wenig besser kennen zu lernen. Ich wechselte also immer wieder zwischen meiner Frauenärztin und Nicole ab. In den Gesprächen mit Nicole wurde auch immer wieder die Geburt meiner Tochter vor dreieinhalb Jahren thematisiert und mir fiel auf, dass meine bis dahin als ganz gut empfundene Geburt nicht ideal lief. Aufgrund systembedingt starrer Abläufe der Klinik wurde bei mir beispielsweise die Nachgeburt “eingeleitet”, bzw. durch mechanische Einwirkung geholt und ich hatte starke Nachblutungen. In der zähen Eröffnungsphase fühlte ich mich nach vielen Stunden irgendwann völlig überfordert und hilflos. Am Ende brauchte ich Schmerzmittel, um durchzuhalten. Da man unerfahren war, glaubte man, dass diese Gefühle und auch die Blutungen normal seien und da jede Frau durchmüsse. 

Da meine größte Sorge wieder die Eröffnungsphase war bot uns Nicole eine Wehenbegleitung an. Bei dem Aufklärungsgespräch lernte auch mein Mann Nicole kennen und wir sprachen für den Notfall auch über eine Hausgeburt. Wir wollten eigentlich in jedem Fall im Krankenhaus entbinden, da wir kein Risiko eingehen wollten und auch vor der Sauerei zu Hause Bedenken hatten. Ich fragte, ob man nach einer Hausgeburt nicht einen Tatortreiniger bräuchte und Nicole lachte bloß und meinte, was wir denn vorhätten, wir würden doch nur ein Kind gebären?! Das widersprach völlig unseren Erfahrungen aus dem Kreissaal...Nicole drängte uns in dem Gespräch überhaupt nicht und doch blieben einige Dinge hängen. Wenige Tage später meinte mein Mann dann, dass er sich eine Hausgeburt gut vorstellen könne. Die 1 zu 1 bzw. später sogar 2 zu 1 Betreuung würden wir in keinem Krankenhaus bekommen, da überall Personalmangel herrsche und er hoffte, dass sich dadurch die Dauer der Geburt deutlich verkürzen und am Ende für mich angenehmer sein würde. Daraufhin recherchierten wir viel über die Risiken und Vorteile und am Ende war auch ich überzeugt. Wir machten die Entscheidung aber dabei sehr von Nicole abhängig. Wenn sie keine Zeit hätte, würden wir trotz Ersatzhebamme ins Krankenhaus fahren.

Nach wochenlangen Vorwehen und regem Austausch mit Nicole hatte ich dann eines Abends endlich einen Blasensprung und Wehen. Ich rief Nicole an und sie kam sofort. Drei Stunden später war mein Sohn schon auf der Welt. Es war nicht leicht, aber ich bekam Unterstützung, wenn ich es brauchte und hatte kein einziges Mal das Gefühl hilflos zu sein. Wir hatten tatsächlich die Geburt, die uns Nicole „versprochen“ hatte. Ich hatte viel mehr Kraft und Zuversicht als bei meiner Tochter damals und wirklich keine Sauerei zu Hause :)

Auch im Wochenbett und einige Zeit später stand uns Nicole mit Rat und Tat zur Seite. Wir waren erstaunt, wie viel man noch beim zweiten Kind lernen kann. Nicoles liebevolle Art mit unserer dreijährigen Tochter war ein zusätzliches Geschenk. 

Am Ende bleibt das Gefühl, die Geburt selbst, ohne Einwirkung von außen, geschafft zu haben und dafür sind wir Nicole unendlich dankbar!

 

 


Hausgeburtsbericht Rebekka aus Steinheim, Juli 2020

 

Nachdem meine Cousine mir von ihren beiden Hausgeburten erzählt hat, war mein Interesse schon lange vor der Schwangerschaft geweckt.
Als dann ein halbes Jahr nach unserer Hochzeit der positive Schwangerschaftstest auf dem Tisch lag und mein Mann voll hinter mir stand war für uns klar: wenn medizinisch nichts dagegen spricht wollen wir unser Kind in gewohntem Umfeld, mit Menschen denen wir vertrauen und einer entspannten Atmosphäre auf der Welt begrüßen!

Die negativen Reaktionen darauf waren erschreckend: Waaas? Beim ersten Kind? Seid ihr euch sicher? Dieses Risiko! Wollt ihr euch das wirklich antun? 
Unser Entschluss stand fest und obwohl wir das auch sehr gut Begründen konnten, mussten wir mit den Konfrontationen bis zum Ende der Schwangerschaft umgehen. 

Nur, weil wir beide sehr schwer aus der Ruhe zu bringen sind und ein dickes Fell (bzw. einen Dickschädel haben - wir sind beides Löwen ) haben wir uns dadurch nicht beeinflussen lassen.

Eine Hebamme zu finden, ist ja generell schon schwer. Aber eine Hausgeburtshebamme zu finden ist normalerweise noch schwerer. Wir hatten unglaubliches Glück, dass eine Bekannte meines Mannes, die gelernte Kinderkrankenschwester ist, sich gerade als Hausgeburtshebamme selbständig gemacht hatte.

Ich machte die gesamte Schwangerschaftsvorsorgen bereits bei ihr und ging nur zu den 3 Ultraschallterminen zum Frauenarzt. So konnten wir uns richtig gut kennenlernen und es entstand ein vertrautes, freundschaftliches Verhältnis.

Die Schwangerschaft war komplikationslos. Ich hatte bis auf Ischiasschmerzen keinerlei Probleme und konnte bis zur 37 SSW regelmäßig Sport machen. An der Stange beim Pole Dance, war ich bis zum 6. Monat und ausreiten bis zum 7. Monat.
Auch hier haben viele gemeint, das wäre viel zu gefährlich in meinem Zustand. 

Aber ich habe auf meinen Körper vertraut. 
Solange ich mich gut dabei fühlte sprach aus meiner Sicht auch nichts dagegen. Bei beiden Sportarten kam dann tatsächlich der Punkt, andem ich mich einfach nicht mehr wohlgefühlt habe.
Anschließend habe ich Schwangerschaftsgymnastik und Yoga gemacht. Auf Grund Corona hauptsächlich über Zoom und Youtube. 

Mein Mann fuhr von Sonntag bis Donnerstag nach Frankfurt zu einem Seminar. Ich war in SSW 38 und der Wäschekorb mit den Utensilien für die Hausgeburt seit einer Woche gepackt.
Wir hatten gehofft, dass sich das Baby noch etwas gedulden würde...aber kaum war Papa sonntags weg, kamen die ersten Wehen.

"Das war ja klar" dachte ich und war drauf und dran ihn wieder zurück zu rufen.
Aber nach Mitternacht waren die Abstände wieder kleiner und die Intensität ließ nach. ♀ Tagsüber war der Bauch ab und zu hart, aber nicht schmerzhaft.

Montag, Dienstag und Mittwochabend immer wieder das gleiche Spiel. Ab ca. 17 Uhr fingen die Wehen an und gegen Mitternacht schwächten sie dann wieder ab.
Mittwochs wollte ich den Trick mit der Badewanne ausprobieren.
Eine Freundin kam vorbei und spielte Bademeisterin.

Und tatsächlich...die Wehen gingen im warmen Wasser nicht weg. Die Abstände wurden sogar noch kürzer - sprach also eindeutig für Geburtswehen.
Ich rief meiner Hebamme an und sie meinte, ich würde die Geburt unterbewusst unterdrücken, da mein Mann nicht da wäre.

"So ein Quatsch" dachte ich...

Sie hatte wohl Recht, denn kaum war Donnerstag und mein Mann zurück, gingen die Wehen um Mitternacht nicht mehr weg...

Es war Donnerstag 16.07. ich lag mit meinem Mann auf der Couch und veratmete Wehen. Doch irgendwie merkte ich, dass die Wehen anders waren als die Abende zuvor. Ich

konnte irgendwann während der Wehen nicht mehr liegen und musste mich bewegen. Ich holte meinen Pezziball und hielt mich während der Wehen am Tuch fest.
Die Wehenabstände überwachte ich mit einer App. Die hatte die Abende davor aber schon ab und zu gesagt, ich solle ins Krankenhaus fahren weil die Abstände zu kurz waren. 

Diesmal sagte mir aber mein Gefühl um Mitternacht, dass ich jetzt lieber mal die Hebamme anrufen sollte.
Sie machte mir Mut und meinte ich solle genauso weitermachen, in den verschiedenen Positionen. Wenn ich das Gefühl hätte, dass ich sie bräuchte sollte ich mich nochmal melden. Sie wäre dann in 10min da.

Mein Mann ging ins Bett. Ich legte mich kurz dazu um dann aber gleich zu merken, dass liegen wirklich nicht mehr angenehm war.
Ich legte im Wohnzimmer meine Geburts-Playlist auf, machte Kerzen an und tigerte durch das Haus.

Um 3.40Uhr war der Punkt erreicht. Jetzt wurde es ernst. Unser kleines Wunder hatte sich auf den Weg gemacht
Wir wussten übrigens noch nicht ob Bub ♂ oder Mädel ♀. Es hatte sich bei den Ultraschallterminen immer geschickt weggedreht.

Die Abstände waren bei ca. 3min und so intensiv, dass ich kaum mehr sprechen bzw. singen konnte.
Ich weckte meinen Mann und rief die Hebamme an.
Um 4 Uhr schob mein Mann sich eine Pizza in den Ofen Er meinte: Wer weiß wann ich das nächste Mal was bekomme.

Ich ließ mich anstecken und machte mir ein Fleischsalat-Brot.
Die Atmosphäre war total entspannt. 
Die Hebamme breitete ihre Utensilien aus , schrieb ihren Bericht und beobachtete mich. Mein Mann massierte mir das Kreuzbein während der Wehen und als ich um ca. 7 Uhr auf der Toilette war, blutete ich etwas. Ein gutes Zeichen. Am Muttermund tat sich was.

Also untersuchte mich die Hebamme und der Muttermund war bis auf einen kleinen Saum vollständig geöffnet.
Sie verständigte die 2. Hebamme und ich wollte nun in unsere Whirpoolwanne.
Das tat gut! Die Wehen waren gleich viel angenehmer im warmen Wasser.

Ich dachte wenn jetzt die zweite Hebamme kommt, kann es nicht mehr lange dauern bis wir den kleinen Wurm in den Armen halten würden.
Aber damit lag ich leider falsch...

Ich wollte während der gesamten Geburt positiv gestimmt sein und das hat auch gut funktioniert. Jetzt im Nachhinein würde ich sagen es war meine Traumgeburt. So anstrengend sie auch war , die Hormone haben mich viel vergessen lassen. (Oder die Stilldemenz )

Als die zweite Hebamme eintraf sagten sie mir, dass das Baby sich nicht ins Becken eindrehen wolle. Wir müssten ein bisschen "Arbeiten" um es durchs Becken zu schunkeln. 
Also musste ich während der Wehen abwechselnd die Beine auf den Stuhl stellen, das Becken am Tuch hängend kreisen oder im Storchenschritt durch die ganze Wohnung laufen.􏰁

Anschließend durfte ich wieder in die Wanne.

Die Fruchtblase war noch nicht geplatzt und der Druckschmerz unter der Wehe, am Kreuzbein war enorm.
Ich bat darum, ob die Hebamme nicht etwas beim Öffnen nachhelfen könnte und sie erzeugte bei der nächsten Wehe einen leichten Gegendruck mit dem Finger->die Blase gab nach.

Sofort war auch der Druck nicht mehr so stark. Das war erst um 11.20Uhr wie ich nachher im Geburtsbericht gelesen hatte. Mein Zeitgefühl war während der Geburt gleich Null.

Trotz, dass nun Fruchtblase und Muttermund offen waren tat sich 1,5 Stunden kaum was am Köpfchen. Das hatte sich im Becken festgesetzt. (Auch ein Dickschädel )

Als die Hebamme mir "androhte" dass ich wieder aus der Wanne solle und wir es mit einer speziellen Technik probieren würden das Köpfchen einzudrehen (Kerze zurück in die Gebärmutter ->herabschauender Hund neu Anlauf nehmen) habe ich innerlich vermutlich rebelliert denn die nächste Wehe, war eine kraftvolle Presswehe.

In der Badewanne waren diese aber nicht so erfolgreich wie erhofft und ich musste doch wieder raus.
Langsam war ich mit meinen Kräften wirklich am Ende. Ich hatte wohl mehrmals gesagt, dass ich nicht mehr kann und doch gab ich nicht auf.

Ich redete mir innerlich zu: Dein Körper ist dazu geschaffen ein Kind zu gebären...du willst auf keinen Fall ins Krankenhaus, das ziehst du jetzt durch!!!

Mein Mann saß neben der Badewanne auf einem Geburtshocker, ich nahm rücklings auf ihm Platz. Eine Hand um seinen Nacken gelegt, eine gegen die Wand und beide Beide in den Boden gestemmt. Nun hatte ich enorme Kraft zu pressen.
Weil ich mein Baby endlich kennenlernen wollte, habe ich auch nach der Wehe weiter gepresst so, dass das Köpfchen die letzte Kurve noch bekommen kann.

Beide Hebammen ermahnten mich aufzuhören zu pressen und schön langsam zu machen. Aber meine Geduld war am Ende angelangt.
Daraufhin nahm mich die eine Hebamme, auf der Toilette sitzend, auf den Schoß und kreuzte die Arme vor meinem Bauch.

Ich bemerkte, dass die andere Hebamme bereits warme Handtücher aus dem Backofen geholt (für meinen schwäbischen Ehemann war das Schlimmste, dass der Backofen so lange lief ) und Abnabel-Utensilien bereitgelegt hatte....also Endspurt 

Sie untersuchte mich noch ein letztes Mal und sagte ich hätte am Kreuzbein viel Platz und solle mich drauf konzentrieren, das Kind in Richtung Kreuzbein zu pressen.
Ich war immer der Meinung, pressen geht einfach so wie beim großen Geschäft ...aber bei der nächsten Wehe konzentrierte ich auf das Kreuzbein und die Hebamme auf deren Schoß ich saß drückte mit den überkreuzten Armen etwas gegen den Bauch...und ZACK
 schoss das Baby um 13.04Uhr, in einem Affenzahn, der vor mir knienden Hebamme in die Arme.

Es schrie gleich mit einem ungeheuer lauten Organ los und ließ sich erst nach 5min in meinen Armen beruhigen.
Es hatte eine ordentliche Beule am Kopf dort wo es im Becken fest hing. Das fiel mir direkt auf.
Mein Mann hatte mit der Hebamme auf der Toilette die Plätze getauscht und saß nun hinter mir.
Neugierig auf das Geschlecht, lugten wir beide unter das Handtuch ---> ein Junge 

OLIVER - 3340g - 52cm

Wir sind unendlich glücklich diese Hausgeburt ohne irgendwelcher Eingriffe und Medikamente durchgezogen zu haben und würden es jederzeit wieder tun. (trotz hoher Stomrechnung bzgl. des Backofens

Der größte Dank geht an die zwei Hebammen welche mich ununterbrochen motiviert und gestärkt haben und natürlich an meinen Mann.